/customers/eva-maria-waibel.at/eva-maria-waibel.at/httpd.www/wp-content/plugins/wp-cache/wp-cache-phase1.php Warum Existenzielle Erziehung? | Dr. Eva Maria Waibel

Existenzielle Pädagogik

Warum Existenzielle Pädagogik?

Kinder sind einmalig und einzigartig. Sie wollen als Person wahrgenommen und behandelt werden. Diesem Ziel verschreibt sich die Existenzielle Pädagogik. Dies wird durch Stärkung der Person erreicht, indem der kindliche Willen zur Selbstgestaltung in Gang gesetzt wird. Es wäre ein Missverständnis zu meinen, eine am Kind orientierte Pädagogik würde sich ständig um das Kind zu drehen oder es in den Vordergrund stellen.

Existenzielle Pädagogik will das Kind in die Welt begleiten, es in Bezug zur Welt bringen, es zur existenziellen Antworthaltung geleiten. Sie will ihm zu einem erfüllten Leben verhelfen. Dies geschieht nicht mit Verhaltensanweisungen, sondern mit entsprechenden Impulsen unter Einbezug der jeweiligen konkreten Person. Die leitende Frage dabei lautet: Was braucht dieses Kind jetzt von mir, um aus seiner Sicht ein gutes Leben führen zu können? Was braucht es, um mit innerer Zustimmung, mit Entschiedenheit leben zu können?

Ähnlich wie die Logotherapie geschaffen wurde, um das „geistige“ Defizit in der psychotherapeutischen Behandlung von Menschen auszugleichen, geht es der Existenziellen Pädagogik darum, die Bedeutung des Kerns der Person ins Zentrum zu rücken und sich konsequent daran auszurichten und so dem Kind zu einem erfüllten Leben zu verhelfen. Dazu braucht es Erziehende, die sich mit dem Kind auf die Suche macht seiner Ausrichtung im Leben begeben und die ihrerseits ihre Ausrichtung immer wieder in Frage stellen. Existenzielle Pädagogik kann auch als „Schule des Verstehens“ bezeichnet werden, bei der es darum geht, den eigenen Blick auf das Kind, auf sich selbst und auf existenzielle Lebenssituationen hin zu schulen und zu erweitern.

Die Leitlinien Existenzieller Pädagogik

In der Existenziellen Pädagogik wird der Mensch nicht als ein Ergebnis entwicklungspsychologischer, innerpsychischer Prozesse oder umweltlicher Einflüsse angesehen, sondern als ein Wesen, das sich in dem, was möglich ist, auch selbst gestalten kann. Ähnlich wie sich das existenzielle Paradigma durch seine „Relativität“ unterscheidet, verhält es sich mit der Existenziellen Pädagogik. Den Bezugspunkt bilden die beteiligten Menschen, das Kind und der/die Erziehende. Es gibt dabei nichts Absolutes, das jeder Erfahrung und jedem Denken standhielte. Alles ändert sich, alles kann in Frage gestellt werden (Bollnow). Erziehung erweist sich daher ebenso wie das Leben immer wieder als „Sphinx“ (Bollnow). Beides ist nicht wirklich greifbar, wandelt sich ständig und entzieht sich damit dem Zugriff des Menschen. Ähnlich wie Längle das existenzielle Paradigma als reine Bezüglichkeit beschreibt (Längle), lässt sich somit Existenzielle Pädagogik als pädagogische Relativitätstheorie umreißen. Alles ist relativ: Es gibt keine immer gültigen Erziehungsmaßnahmen, Erziehungsmittel oder Erziehungsziele, die für alle Kinder und in jeder Situation gelten. Deswegen widersetzt sich Existenzielle Erziehung auch rezepthaftem Vorgehen.

Existenzielle Pädagogik lässt sich durch folgende formale Charakteristika festmachen:

    • Sie erwächst aus der Anthropoloige der Existenzanalyse und erhält von daher ihr geistiges Grundgerüst. Daher erfordert sie auch die Anstrengung des Begriffs.

  • Inhalte und Themen der Existenziellen Erziehung, vor allem aber ihr Menschen-, Personen- und Weltbild verändern klassische Erziehungspositionen. Sie bilden eine Folie für neue Sichtweisen. Dadurch erhält Erziehung eine neue Ausrichtung und Akzentuierung. Vieles erscheint dadurch in anderem Licht.
  • Alles ist nicht nur bezüglich, sondern auch rückbezüglich. Es ist nicht nur alles in Fluss, sondern es hängt auch alles mit allem zusammen. Die radikale Bezüglichkeit auf den Menschen hat zur Folge, dass es nichts Festgelegtes gibt. Denn Erziehende und zu Erziehende selbst sind immer unvergleichlich, genauso wie ihre Beziehung.
  • Zudem bewegt und beeinflusst sich alles gegenseitig. Es ließe sich sogar soweit gehen, von einer allgemeinen und vor einer speziellen Relativitätstheorie der Erziehung zu sprechen. Übertragen auf Erziehung bedeutet das, dass Erziehung allgemein – wie oben schon dargelegt – ohne überzeitlich festgelegte Bezugspunkte auskommen muss. Im konkreten Fall entsteht Erziehung immer im wechselwirkend dynamischen Geschehen zwischen Erziehendem und zu Erziehendem unter Berücksichtigung der beteiligten Personen und der Situation. Diese Wechselwirkung ist immer anders und immer neu. Das klassische Ursache-Wirkungs-Prinzip kann bestenfalls nur Teilaspekte des Menschen erfassen.
  • Existenzielle Pädagogik widersetzt sich daher der Rezepthaftigkeit. Sie ermöglicht es Erziehenden, ein Verständnis für das Personsein und eine Haltung zum Personsein aufzubauen, die sich in der Erziehung niederschlägt.
  • Die Haltung zur Person erfordert Offenheit. Damit wird deutlich, dass es sich bei der Existenziellen Pädagogik nicht um ein dogmatisches System handelt. Sie setzt sich mit anderen Richtungen auseinander. Sie versteht sich nicht als abgeschlossene Idee, sondern als eine sich in Entwicklung befindliche Grundhaltung.
  • Existenzielle Erziehung ist nicht nur offen für neue Erkenntnisse, sondern kompatibel mit anderen Denk- und Vorgangsweisen, die dieses Person-, Menschen- und Lebensbild nicht ausschließen.

Seit 2007 wird am Elisabethstift in Berlin die Existenzielle Erziehung in der gesamten Institution umgesetzt.

Auch die Elisabethstiftschule richtet sich nach den Ideen der Existenziellen Erziehung aus.